Zeit des Zerfalls http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de Sat, 25 Feb 2017 10:15:36 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Wassersport http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2017/02/24/wassersport/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2017/02/24/wassersport/#comments Fri, 24 Feb 2017 14:55:54 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2017/02/24/wassersport/ Ich möchte Sie herzlich willkommen heißen, liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hawel, zu unserem Neujahrempfang, wie schön, Sie wieder hier zu sehen, wie letztes Jahr auch dieses Jahr wieder, gut, die Reihen sind etwas ausgedünnt, nicht wahr, Frau Helmstedt ist leider nicht mehr bei uns, wir alle erinnern uns an den tragischen Wassersportunfall, der unsere allseits beliebte Heimatvereinvorsitzende so plötzlich aus dem Leben riss. Nichtsdestotrotz sind wir nach wie vor stolz auf unsere Wassersportanlage und ich möchte an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit die Worte an Sie richten, liebe Mitbürger: Die Wassersportanlage ist sicher, und die Wassersportstadt Hawel wird auch in zehn, zwanzig, ja hundert Jahren noch eine solche sein.
Nun wollen wir uns jedoch abwenden, natürlich ohne zu vergessen, aber wir wollen uns abwenden von dieser verhängnisvollen Geschichte und uns hinwenden zu einem ganz besonderen Mann, einem Mann aus unserer Mitte, einem Haweler Burschen von Kopf bis Fuß. Ich habe die große Ehre, meine Damen und Herren, nun zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde zu schreiten an Herrn Friedrich Gradewohl, Herr Gradewohl, bitte stoßen Sie hier auf der Bühne zu mir, ah, da ist er schon, unser Herr Gradewohl. Schwer gezeichnet ist er noch vom Tod seiner lieben Frau Hannelore, wir erinnern uns, der Wassersportunfall, ja, da nickt er. Wir alle wissen, einfach war es nicht. Ich vor allen Menschen, als Ihr Bürgermeister, kann Ihren Schmerz natürlich in besonderem Maße nachfühlen, es ist Ihnen bekannt, dass mein Schwager Guido Schöppken auf ebendieser Wassersportanlage verunglückt ist, ganz so wie Ihre Gattin.
Aber heute, heute haben wir uns versammelt, um Ihre Verdienste um den Haweler Wassersport zu würdigen. Als Sie nach Hawel kamen, das war im Jahr 1971, da war das alte Bootshaus an der Mündung der Leibnitz noch eine Baracke, in desolatem Zustand war es, aber Sie, Herr Gradewohl, mit ihrem zupackenden Gemüt, Sie möbelten diesen Schandfleck kurzerhand auf, und schon bald fanden hier in Hawel die ersten Wasserskikurse statt, ein Touristenmagnet seitdem. Gut, es gab Rückschläge, da nicken Sie, Herr Gradewohl, denn Sie wissen, wovon ich spreche. Der Kabelbrand 1975, als das ganze Bootshaus bis auf die Grundmauern niederbrannte, dann der Kabelbrand 1976, mit Schaudern erinnern wir uns, und wieder standen Sie am Rande Ihrer Existenz. Dann immer wieder die gezielten Kampagnen der regionalen Medien gegen Sie ganz persönlich nach den scheußlichen Unfällen der Jahre 1978, 80, 84 und 91. Vorwürfe, Sie würden zugunsten des Geldes Abstriche bei der Sicherheit machen. Mitte der Neunziger schließlich wollte dann der Wasserskiverband die Anlage schließen, nicht wahr, wegen eben dieser angeblichen Sicherheitsmängel, aber irgendwie haben Sie es doch immer wieder geschafft, und die Anlage steht bis heute. Zum Glück! Ohne Sie würde unsere Kirchenorgel noch immer aus dem letzten Loch pfeifen, Sie entschuldigen meine Ausdrucksweise, ohne Ihre großzügigen Spenden wäre der Marktplatz immer noch ungepflastert und unsere prächtige neue Multifunktionshalle, in der wir heute Dank Ihnen zusammenkommen konnten, wäre immer noch ein Hirngespinst.
Und letzten Monat nun, nach all den Jahren auf dem Wasser, die Übergabe des Betriebs an den Sohnemann Henrik, ja, da sitzt er, ich würde ihn durchaus auch zu mir bitten, aber die Rollstuhlrampe wird bedauerlicherweise erst im nächsten März fertiggestellt, wir wollen ihm von hier oben zuwinken und ihm alles Gute wünschen für die Zukunft. Herr Gradewohl, nehmen Sie nun in meinem Namen und im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hawel die goldene Ehrennadel entgegen, und gestatten Sie mir die große Freude, Sie zum Ehrenbürger unserer Stadt zu ernennen. Ihr Engagement für den Wassersport wird auf ewig unvergessen bleiben, und wir hoffen, dass die Anlage schon sehr bald wieder öffnen kann, und dies der letzte Kabelbrand im Jahr 2017 bleiben wird. Auch dafür nur das Beste, Toi Toi Toi! Das Buffet ist eröffnet.

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Die zwei Typen http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/11/01/die-zwei-typen/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/11/01/die-zwei-typen/#comments Tue, 01 Nov 2016 14:39:48 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/11/01/die-zwei-typen/ Typ I und Typ II sitzen an einem wolkigen Septembertag in der Fußgängerzone vor einem SB-Backshop. Ort der Handlung ist eine mittelgroße, industriell geprägte Stadt, vielleicht Ludwigshafen. Ja, Ludwigshafen. Der Himmel ist bedeckt. Beide haben jeweils einen Teller mit einer unberührten Spinat-Feta-Tasche darauf vor sich stehen. Sie starren in Gedanken versunken auf die vorbeiziehenden Shoppenden.

Typ I: (plötzlich aus seiner Lethargie hochfahrend) Warst du mal da? (er zeigt auf eine Imbissbude auf der anderen Straßenseite.)

Typ II reagiert nicht

Typ I: Hm?

Typ II: (abwesend) Was?

Typ I: Na bei Sultan. Neulich hab ich da gefragt ob ich noch Spinat haben kann auf meine Köfte. Hat er nur geguckt. War ihm wohl zu crazy. (lacht glucksend)

Typ II: Hm, krass.

Beide Typen verfallen wieder in Lethargie. Typ II holt schließlich aus der Vordertasche seines Rucksacks ein einzeln verpacktes Wegwerf-Brillenputztuch hervor, reißt es aus der Hülle und beginnt, gewissenhaft das Display seines Smartphones zu reinigen. Anschließend betrachtet er zufrieden sein Gerät und steckt es schließlich wieder ein. Unvermittelt erbricht sich in unmittelbarer Nähe der beiden ein übergewichtiges Kind in eine Einkaufstüte.

Typ I: Haha, Geil.

Typ II: Voll.

Typ I beißt beherzt in seine Spinat-Feta-Tasche und betrachtet kauend die Mutter des Kindes, die ihrem Sprössling mit einem fleckigen Papiertaschentuch das Erbrochene vom Mund abzuwischen versucht. Er nickt abwesend, stopft sich den Rest der Spinat-Feta-Tasche in den Mund, murmelt Typ II etwas Unverständliches zu, steht auf, wischt sich die Hände an seinen Cargoshorts ab und legt seine Umhängetasche um. Bestimmt überquert er die Straße und überreicht der Mutter ein frisches Taschentuch. Diese bedankt sich peinlich berührt. Typ I zuckt mit den Achseln und blickt zu Boden. Dann winkt er Typ II zum Abschied und verschwindet in einem Drogeriemarkt. Es beginnt zu nieseln und Typ II packt seine Spinat-Feta-Tasche in eine Tüte, welche er wiederrum in seinem Rucksack verstaut. In Gedanken schlendert er Richtung Hauptbahnhof, der in Ludwigshafen nicht Hauptbahnhof heißt, sondern Zentralbahnhalte. Dort steigt er in einen Fernverkehrszug und fährt davon. Wir bleiben ratlos zurück, angesichts der Szenen, von denen wir Zeuge wurden. Wir bleiben außerdem in Ludwigshafen zurück, was ja nicht besonders nett ist, und fühlen uns von den beiden Typen ein wenig hintergangen. Ein unbefriedigendes Ende für einen derart vielversprechenden Beginn. Wir sind empört. Vorhang.

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Der netteste Aspekt http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/08/30/der-netteste-aspekt/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/08/30/der-netteste-aspekt/#comments Tue, 30 Aug 2016 11:07:01 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/08/30/der-netteste-aspekt/ Die fleischigen Typen
Die albernen Hüte
Die blassgrünen Jacken
Die grindigen Brocken
Der Lach-Workshop

Das war der netteste Aspekt

Nein
Das ständige Dröhnen
Der suppige Joghurt
Die drückenden Schuhe
Das hallende Pochen
Im Kopf

Das war der netteste Aspekt

Nein
Die erhebliche Auswahl
Die knisternden Platten
Die klaffenden Löcher
Das trockene Brot
Die Fleischwurst-Flatrate

Das war der netteste Aspekt

Nein
Die verstörenden Filme
Die heitere Stimmung
Die kleinen Gebühren
Der fade Geschmack
Die Geräusche

Das war der netteste Aspekt

Nein
Das ganze Ambiente
Die panische Angst
Die tiefe Verzweiflung
Das metallische Klicken
Die Randexistenz

Das war der netteste Aspekt

Nein
Das reizende Fachwerk
Die kleinen Probleme
Der Sand in den Schuhen
Der Stuck

Das war der netteste Aspekt

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Milch http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/06/19/milch/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/06/19/milch/#comments Sun, 19 Jun 2016 17:34:04 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/06/19/milch/ „Milch“, das sagte Editha, „Milch“, insistierte sie, „gehört nicht in die Bolognese!“ Wir standen uns im Modus offener Konfrontation in unserer engen Einbauküche gegenüber, zwischen uns ein enormer, gusseisener Topf mit appetitlich brodelnder italienischer Fleischsauce. Extraviel hatten wir gemacht, um noch eine gute Portion einfrieren zu können, für die Prüfungsphase, wo man immer keine Zeit zum Kochen hat. In meinen Händen hielt ich eine Flasche beste Biomilch, in ihren befand sich ein Tablet, das als Kronzeuge missbraucht wurde, oder zumindest missbraucht werden sollte, denn es gab nur mir Recht, immer und immer wieder. Wikipedia sagte Milch. Der Foodblog von Edithas Bruder sagte Milch. Pinterest sagte Milch. Jamie Oliver, Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer, Gordon Ramsay, sie alle schrien Milch im Chor. Editha jedoch legte das Tablet auf die Küchenanrichte zwischen die Zwiebelschalen und verschränkte die Arme, so als wollte sie den Duden-Eintrag zur Sturheit gestisch inszenieren.
Am Ende war keine Milch in der Bolognese. Auf diese Weise einer milden Note beraubt, schmeckte sie fürchterlich würzig und vorlaut. Der Sellerie und die Tomaten, der Lorbeer und das Salz plapperten mangels des diplomatischen Einspruchs eines Milchprodukts wie wild durcheinander, und das Fleisch gab sich dumpf und metallisch.
So falsch schmeckte das, so falsch, dass ich aufspringen und auf den Balkon flüchten musste, wo ich mir eine so dicke Zigarette drehte, dass der Tabak fast durch das Papierchen platzte. Die rauchte ich, in mich hinein schimpfend, und dachte daran, dass Milch in die Bolognese gehört.
Als ich mich schließlich beruhigt hatte, ging ich in die Küche, verteilte die übrige Soße auf vier kleine Gefrierbeutel, und überantwortete sie den Untiefen unserer Gefriertruhe. Ohne Zögern.

An dieser Stelle macht die Geschichte einen Zeitsprung von ungefähr 25. 000 Jahren

Germholz Holk und sein Team kämpften sich, widrigen Wetterbedingungen trotzend, durch das ewige Eis. Sie waren in einen Blizzard geraten, und nur um ein Haar einem frostigen Tod entgangen, doch nun schien das Ziel endlich in greifbarer Nähe zu sein. Hier, genau hier, musste vor Jahrtausenden Darmstadt gelegen haben. Mit steifen Fingern errichtete die kleine Gruppe, allesamt zu den hartgesottensten Archäologen ihrer Zeit gehörig, eine kleine Zeltstadt, und installierte den Eisbohrer.
Die ersten drei Tage vergingen ergebnislos, am vierten, als man schon fast aufgeben wollte, da stieß man auf etwas. Fieberhaft wartete man, bis der Bohrer schließlich aus mehreren hundert Metern Tiefe eine kleine Probe heraufbeförderte, die wie eine Hostie behutsam in das Analysezelt verbracht wurde. Gegen Abend versammelte Frudrun Jontz, ihres Zeichens Biochemikerin und mit der Untersuchung der Probe betraut, die restlichen Mitglieder der Expedition im Hauptzelt um den Elektroofen.
Ein paar Momente baute sie die Spannung noch auf, dann sagte sie ein Wort in die überheizte Zeltluft, das sich merkwürdig deplaziert gebärdete. Bolognese. Ein Raunen erfüllte den Raum.
„Bolognese?“ erkundigte sich Germholz Holk verblüfft, und erhob sich von seinem Klappstuhl. „Nun ja“, Frudrun Jontz runzelte die Stirn, „nicht ganz. Ich konnte Spuren von Sellerie nachweisen, Karotten, Lorbeer, Tomaten, Zwiebeln, Olivenöl, Butter, Hackfleisch natürlich … aber es scheint, naja, meine Untersuchungen lassen keinen anderen Schluss zu, es scheint eine Zutat zu fehlen, nämlich Milch.“ „Eine Bolognese ohne Milch?“ Holk hustete ein keuchendes Lachen heraus. „Das, liebe Kollegin, klingt mir eher nach einer ordinären Hackfleischauce, wenn ich ganz ehrlich sein darf.“ Und Geräusche der Zustimmung waren seitens der anderen zu vernehmen.

Am nächsten Morgen brach die Gruppe die Zelte ab und machte sich auf, zurück in die Zivilisation. Jeder Einzelne von ihnen dachte noch oft an die Reise zurück, und den merkwürdigen Fund, den sie im Herzen der ehemaligen europäischen Hochkultur gemacht hatten. Die alten Völker waren voller Geheimnisse, soviel konnte man schließen, und nie wird jemand sie gänzlich ergründen können.

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Man hatte es schwer http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/04/14/man-hatte-es-schwer/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/04/14/man-hatte-es-schwer/#comments Thu, 14 Apr 2016 10:29:45 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/04/14/man-hatte-es-schwer/ Wissen Sie, man macht sich überhaupt keine Vorstellungen, was ein junger Theaterschauspieler zu Beginn seiner Karriere alles erleiden muss. Ich kann Ihnen kurz einige Geschichten erzählen, wenn Sie mögen, nur das eine oder andere, damit Sie mal eine Vorstellung bekommen.
1998 war ich nach Essen gezogen, in die große Stadt, raus aus der stickigen Enge des Odenwaldes, ein junger Mime voller Elan, strotzend vor Visionen, wild, verrückt, bereit sich zu verwirklichen. Am Anfang nahm ich alles an, was ich kriegen konnte. Wie oft ich damals allein Bäume gespielt habe! Eschen, Erlen, Buchen, Tannen. Auch Sträucher und Gräser, dafür war ich mir durchaus nicht zu schade. Am liebsten spielte ich noch Weiden, aus dem naheliegenden Grund, dass im langsamen Wiegen dieser freundlichen Gewächse wenigstens noch ein Funken der Möglichkeit künstlerischen Ausdrucks aufbewahrt ist, während eine Tanne ja gewissermaßen felsenfest im Boden ruht, da ruckt nichts, da steht man dann für die Dauer des Stücks nur herum und regt sich kein Stück. Anders Weiden! Wie ich mich gewiegt habe! Verdammt, stundenlang. Und wofür? Für ein paar spöttische Blicke seitens der Hauptdarsteller und einen Umschlag mit ein paar Mark, manchmal gab es auch nicht das Geringste. Man versuchte dann wenigstens einen Funken Aufmerksamkeit oder gar einen wohlwollenden Blick des Regisseurs angesichts des ausdrucksstarken Wiegens zu erhaschen.

Ich glaube, bis ich das erste Mal einen Menschen gespielt habe, sind anderthalb Jahre vergangen. Und dann auch erst mal nur Tote. Wasserleichen, Brandopfer, Erschlagene, Erstochene, Erwürgte. Es war schrecklich. Ich bin halb depressiv geworden davon. Meine Haut nahm einen gelblichen Ton an, von der Überidentifikation, das können Sie sich überhaupt nicht vorstellen. Und immer gabs nur einen mickrigen monetären Brotkrumen, hin und wieder hab ich sogar Münzgeld als Gage bekommen! Stellen Sie sich das vor! Der Regieassistent feixt blöde und greift sich in seine verklebte Jeanstasche hinein und gibt mir eine Hand Wechselgeld! Geschlafen hab ich bei Freunden und Bekannten, mal hier, mal dort, auf Futons, Sofas, Canapees, Reismatten, Ofenbänken! Immer mit meinem Rucksack über der Schulter, in dem sich meine wenigen Habseligkeiten befanden: ein paar Hemden, einige Unterhosen, Glückliche Tage von Beckett und eine Kassette mit skandinavischer Akkordeonmusik. Den Walkman hatte ich schon lang nicht mehr, der wurde mir in der Umkleide des Gideon Fleischhund Theaters geklaut, als ich einen Knallerbsenstrauch und einen Drogentoten in einer Doppelrolle verkörperte.

Nach drei, vier Jahren wurde es etwas besser. Friedemann Vlučič hat mir als einer der ersten eine Chance gegeben, später auch Leuten wie Hutzner, Lomberti, Griebenrund. Naja, es ging bergauf. Was ich Ihnen nur sagen kann, ich denke das lässt sich ohne Weiteres sagen, werden Sie niemals Künstler. Vielleicht eine Ausbildung oder so etwas, Gärtner etwa, sehr befriedigende Arbeit. Oder im sozialen Bereich. Die Leichen, die ich spielte, raunen mir nachts zu, und die Pflanzen umtänzeln mich. Oft bin ich unausgeschlafen und komme zu spät zur Probe. Die Zeit der Entbehrung, das weiß ich heute, ist es nicht wert. Sie hat mich nicht geformt, wie man oft flapsig dahinsagt, sondern deformiert, wie einen Batzen Wachs in der Sahara. Die Weiden, die ich spielte, stehen nachts feixend in den dunklen Ecken meines Zimmers und wiegen, wiegen, wiegen.

Gott, dieses Wiegen.

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Nähe http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/02/08/naehe/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/02/08/naehe/#comments Mon, 08 Feb 2016 11:35:14 +0000 Administrator Bilder http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2016/02/08/naehe/ hochzeitskuesse

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Nach B gehen http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/12/10/nach-b-gehen/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/12/10/nach-b-gehen/#comments Thu, 10 Dec 2015 13:22:41 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/12/10/nach-b-gehen/ „Weißt du, wenn man in einer fremden Stadt von A nach B schlendert, und man hegt die Absicht, irgendwo auf dem Weg etwas zu sich zu nehmen, dann ist das immer eine vertrackte Sache. Gleich nach dem Losgehen entdeckt man ein ansprechendes Restaurant, die Speisekarte verspricht Verlockendes, die Preise sind in Ordnung, aber man geht weiter. Man will sich nicht in den erstbesten Laden setzen, man ist überzeugt, es findet sich noch Besseres auf dem Weg. Und so lässt man Möglichkeit um Möglichkeit links liegen, hofft ständig auf die perfekte Lösung, den Tempel der Kulinarik, den Sonnenstreif am Horizont, genau das, worauf man grade Lust hat, auch wenn man nicht so genau weiß, was das ist. Und das Ende vom Lied: Am Ziel des Spaziergangs, in der unmittelbaren Nähe von B, ist man derart hungrig, dass man sich in der erstbesten nach altem Fett stinkenden Fressbude ein enttäuschendes Fleischrestesandwich in den Mund schiebt, und voller Bedauern realisiert, dass der Ort ganz in der Nähe von A, an dem man zu Beginn selbstsicher vorbeimarschiert war, dass genau dieser Laden perfekt gewesen wäre. Und Unzufriedenheit breitet sich aus angesichts der unbefriedigenden Sättigung, die einem der garstige Fettbrocken verschafft hat. Kennst du das?“

„Soll das so eine Art Analogie auf das Leben mit der Message ‚Genieße den Moment‘ sein? Dass man die Gelegenheit beim Schopfe packen soll, bevor sie vorüberzieht?“

„Hm. Nein. Das lässt sich da, glaube ich, nicht reininterpretieren. Weil: Es ist ja nicht gesagt, dass das beste Restaurant am Beginn des Weges liegt. Man könnte ja auch ganz am Ende, bei B, darauf stoßen. Dann ärgert man sich, wenn man, aus dem Bahnhof raus, ins erstbeste Bistro gestolpert ist und den Rest des Weges dann zwar satt, aber unzufrieden bestreiten muss, weil mundbewässernde Etablissements den Weg pflastern. Insofern wäre das Ganze als lebensbereicherndes Gleichnis relativ nutzlos, weil es ja im Grunde nur sagt: ‚Manche Entscheidungen sind richtig, manche falsch, was soll man machen.‘“

Vera schien das Interesse an meiner kleinen Narration verloren zu haben, glotzte durch die Glasfront des Cafés hindurch und lutschte auf ihrem Hollundermuffin herum wie ein alter, zahnloser Hund. Wie es so ihrer pseudotiefsinnigen Art entsprach, hatte sie meine Geschichte als Gleichnis abgestempelt und nicht verstanden, dass der Subtext des Ganzen meine ganz reale und konkrete Unzufriedenheit mit meinem Petersilienpesto-Schinkencrostini und der generellen Situation, in der wir uns befanden, war. Sie besaß wahrlich trotz all ihrer blöden fingierten Nachdenklichkeit die Subtilität eines Mettigels. Auch ich blickte nun hinaus, auf die Menschen und Straßenlaternen von B und sagte mir einmal mehr, dass A den erheblich ansprechenderen Teil dieser Stadt darstellte. Nichtsdestotrotz waren wir von A nach B gegangen. Das hatte für mich nichts Mystisches oder Geheimnisvolles, es war schlicht Ergebnis einer schlechten Entscheidung und ich hatte keine Lust darüber nachzudenken. Denn all die Symbolik dieser Welt, das wusste ich ganz unwillkürlich, das war das Fazit dieser ganzen unheilvollen Story, würden nichts an dem latenten Übelkeitsgefühl ändern, das mich, das war bereits zu spüren, in den nächsten Stunden begleiten sollte.

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Scheu http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/11/11/reh/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/11/11/reh/#comments Wed, 11 Nov 2015 13:36:15 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/11/11/reh/ Meine Mitbewohnerin ist ein Reh. Heute hat sie es mir gestanden, obwohl gestanden wahrscheinlich das falsche Wort sein mag, es ist ja nichts dabei. Und doch hat sie es geheim gehalten. Ich mochte sie sehr gern, von Anfang an. Schon beim WG-Casting mochte ich sie, als sie am anderen Ende unseres lächerlich niedrigen Tisches saß, der Stuhl wirkte zu groß, so klein und zart und zierlich war sie, aber zugleich sehnig und muskulös, wie eine Miniaturmarathonläuferin mit Beinen wie Streichhölzer. Im Gespräch schlug sie abwechselnd die Augen zu Boden und blickte nervös umher. Sie liebe die Natur, sagte sie leise, und wie nah unsere Wohnung am Stadtwald sei, gefalle ihr sehr. Ich warf Leon vielsagende Blicke zu. Er fing sie auf. Wir hatten unsere neue Mitbewohnerin gefunden: Sie hieß Linda, ein Name wie ein lauer Windstoß durch einen herbstlichen Wald.
Eine Woche nach ihrem Einzug hatte Linda einen Autounfall. Als wir sie im Krankenhaus besuchten, hauchte sie bloß, sie sei nach Anbruch der Dunkelheit im Wald spazieren gegangen, und auf dem Rückweg, beim Überqueren der Landstraße, sei es passiert: Das Fahrzeug sei plötzlich da gewesen, wie aus dem Nichts, hätte sie angestrahlt und sie sei zur Salzsäure erstarrt anstatt auszuweichen. Der Schock. Sie hatte sich den linken Arm und das linke Bein gebrochen und musste noch eine Woche zu Hause das Bett hüten. Ihr Vater kam sie einmal besuchen, ein stolzer Mann mit aufrechter Haltung und schweifendem Blick, und brachte ihr Tannenblut-Bronchialsirup. Obwohl ja mit ihren Bronchien im Grunde alles stimmte. So weit, so irritierend.
Nach ihrer Genesung fanden sich weitere Anlässe zum Stirnrunzeln. Im Küchenmülleimer klebten ständig kleine Brocken bräunlicher Pampe, und eines Tages beobachtete ich Linda, wie sie beiläufig etwas hinein spuckte. Als sie einmal bei ihrem Praktikum im Forstministerium war, schlüpfte ich in ihr Zimmer. Alles war in erdigen Tönen gehalten, ihr Bettbezug mit kleinen Bäumchen gemustert. Es roch penetrant nach Wald, und nach einigem Schnuppern konnte ich genauer sagen: nach Harz. Ich fuhr mit dem Geschnüffel fort, um den Ursprung des Geruchs zu finden, und öffnete schließlich einen in dem aus rustikalem Holz gefertigten Wandregal stehenden Schuhkarton. Er war voller frischer Triebe. Triebe, wie ich im Rahmen ausgiebiger Internetrecherche herausfand, von Nadelbäumen. Auf diesen Trieben kaute sie also stetig herum, bald konnte ich es auch anhand ihres merkwürdig schweren, aber eigentlich angenehmen Atemgeruchs verifizieren. Spätestens dann begann in mir ein Verdacht zu reifen, der nur einen Monat später Gewissheit werden sollte.
Leon rief mich an, als ich gerade bei meiner Lieblingspizzeria ein Schnitzel aß. Linda lag schon wieder im Krankenhaus, und zwar war sie angeschossen worden, von einem Jäger wohl. Zum Glück nur in den Arm, keine Arterie war verletzt. Verwirrt legte ich auf und aß in Gedanken mein Schnitzel auf. Dann zahlte ich und fuhr mit der U7 zum Elisabethstift. Linda war noch blasser als sonst, und ihre für ihr zierliches Erscheinen ausgesprochen buschigen Augenbrauen prangten in ihrem Gesicht wie Kohleflöze im Schnee. Sie war bei Bewusstsein. Ich setzte mich zu ihr und stellte das Kiefernöl-Entspannungsbad, das ich noch im Reformhaus um die Ecke besorgt hatte, zu den anderen Mitbringseln auf den Plastikrolltisch. Lange schwiegen wir. Dann sagte ich, und es klang mehr nach einer Feststellung als einer Frage: „Du bist ein Reh.“ Weil ich mir nicht sicher war, wie sie diese abrupte Konfrontation aufnehmen würde, schob ich noch mit einem unsicheren Lächeln hinterher: „Oder nicht?“ Sie starrte in die stinkende Krankenhausluft, dann nickte sie bestimmt, mit einem ergebenen Lächeln, als falle die so lang getragene Last des Versteckspiels von ihr ab. „Wird es deshalb jetzt komisch sein?“, fragte sie leise. Ich lachte und schüttelte den Kopf. Wir blickten uns lange an. Und dann nahm ich ihre Hand.

Wir saßen noch den ganzen Tag gemeinsam herum und scherzten und guckten Reality-TV auf dem Bezahlfernseher, bis der Abend anbrach und es Zeit war zu gehen. Nachdenklich schlenderte ich auf dem von toten Vögeln bedeckten Pfad an der auch Nachts hell erleuchteten Glasfassade des Stifts entlang, dem Wald entgegen. Der harzige Geruch stieg mir in die Nase, der mir ein Lächeln aufs Gesicht legte. Ich pflückte einen Trieb und roch daran, mit geschlossenen Augen, und dachte an Linda. Dann steckte ich ihn mir in den Mund. Er schmeckte gut.

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Orpheus http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/10/13/orpheus/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/10/13/orpheus/#comments Tue, 13 Oct 2015 18:52:47 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/10/13/orpheus/ Meine Profession und Passion ist es, mit dem Rücken zum Ereignis zu stehen. Angefangen habe ich im Fußballstadion, als einer der Sicherheitsleute, die die Fans beobachten und sicher stellen, dass niemand über die Abgrenzung klettert oder den Ball nicht wieder hergibt, wenn er ihm zufällt. Ich war gut in meinem Job, weil ich mir nicht viel aus Fußball mache. Grade wenn es eine spannende Szene gab oder gar ein Tor fiel, und die Menge aufjaulte wie ein einziger riesiger Seehund, dann schaute ich ihnen viel lieber beim Jaulen zu als dem Reflex nachzugeben mich umzudrehen. Die Begeisterung der Fans war mir eine Übersetzung der Geschehnisse auf dem Feld in eine universelle Sprache, nämlich die unmittelbare menschliche Emotion. Das mochte ich so sehr, dass ich parallel einen Nachtjob in einer Konzerthalle annahm. Es ging darum, zwischen Band und Publikum zu stehen und Konzertbesucher vom Stagediven oder dem Erstürmen der Bühne abzuhalten. Hier war es schon schwerer, Disziplin zu bewahren. Einmal spielte sogar meine Lieblingsband, The nervous ferrets, und ich kann mit Stolz sagen, nur einmal einen Blick riskiert zu haben, nämlich als der Frontsänger diese Sache machte, die er immer macht, mit dem Mikrokabel.

Aber am meisten begeistert haben mich Sprengungen. Die Singularität des Ereignisses gab ihm einen ganz besonderen Touch, die Augen der Zuschauer wurden geradezu eingesogen von dem Ereignis, sie glotzen das in sich zusammenfallende Gebäude an als würden sie das Gesehene trinken, in großen Schlücken. Gleichzeitig waren sie meine härteste Prüfung. „Wer sich umdreht“, hatte uns der Sprengmeister im Vorfeld beschworen, „Wer sich umdreht, wird gefeuert. Das ist kein Spaß hier. Wenn ein Kind sich aus der Menge löst und auf das zusammenstürzende Gebäude zuläuft, und ihr merkt nichts, weil ihr selber glotzt, könntet ihr damit leben?“
Konnten wir natürlich nicht, und wollten wir auch nicht. Selbst bei der Sprengung des ehemaligen Hauptsitzes der FRISA-Versicherung, dem schlacksigen Karl, wie ihn echte Stralsunder nannten, blieb mein Blick eisern nach vorne gerichtet. Sie müssen sich vorstellen: Ich konnte den schlacksigen Karl von meinem Kinderzimmerfenster aus sehen! Ich sah jeden Morgen auf ihn, stieg aus dem Bett und er war das Erste, das sich mir offenbarte. Und trotzdem war ich während seines Ablebens den braven Bürgern der Stadt Stralsund zugewandt, statt Zeuge zu werden. Als würde man beim Tod eines geliebten Bruders nicht dessen Hand, sondern die einer Krankenschwester halten. Später jedoch, als die Menge sich zerstreut und der Staub sich gelegt hatte, erlebte ich noch einen kurzen intimen Moment mit den Resten des Klotzes, der Leiche des Riesen, der mich architektonisch gesehen aufgezogen hatte. Am Rand der Absperrung stehend, auf den Trümmerhaufen blickend, habe ich geweint.

Es ist kein leichter Job. Aber man lernt: Einer muss nicht hinsehen. Überall, wo viele tausend Leute zugucken, muss einer den Leuten zugucken. Und das bin ich.

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Chronist der Enttäuschung II http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/07/09/chronist-der-enttaeuschung-ii/ http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/07/09/chronist-der-enttaeuschung-ii/#comments Thu, 09 Jul 2015 17:22:14 +0000 Administrator Texte http://ZeitdesZerfalls.blogsport.de/2015/07/09/chronist-der-enttaeuschung-ii/ In der Mitte Australiens, da wo nur Wüste ist, tausende Kilometer östlich von Perth, tausende Kilometer westlich von Brisbane, liegt der Lake Disappointment. Benannt wurde der Lake Disappointment 1897 von Frank Hann, einem Hallodri und Entdecker britischer Herkunft. Mühsam war Hann diversen ausgetrockneten Flussläufen gefolgt, in der Hoffnung ein Trinkwasserreservoir zu finden für seine durstigen Packtiere und Helfer. Was er stattdessen fand war ein Salzgewässer von der Größe des Bodensees. Man muss sich die Enttäuschung vorstellen, die Enttäuschung, die den Mann letztlich dazu trieb, genau diesen Namen zu wählen: See der Enttäuschung. Am Horizont wird das kühle Nass aufgetaucht sein, gelaufen ist er, unermüdlich trieb er wohl seine Mannschaft an ‑ so Nahe am Ziel ‑ und dann am Ufer? Der erste, atemlos gleich aus der Hand geschlürfte Schluck: ungenießbar, Durst erzeugend. Was für eine Enttäuschung. Da wird er wohl gesessen sein, an den Wogen dieses heimtückischen Miniatur-Meeres, der Tag war dahin, und auch der Pfeifentabak wollte ihm nicht mehr recht schmecken. Wahrscheinlich dachte er zurück an Kindheitstage, in der zeremoniellen britischen Grafschaft Wiltshire, als seine Mutter ihm versprach, aus ihm möge Großes werden. Aber: Nicht mal etwas Süßwasser für die Träger und Tiere nach solch langer Reise, ihre Augen ohne Hoffnung, Gesichter faltig vor Gram. Dieser grausige Tümpel sollte wenigstens auf ewig das Mal der Schande tragen, was natürlich etwas albern war, das war Hann insgeheim klar, dem See die Schuld für sein Versagen zuzuschieben, aber wir wissen heute nur das, was wir auf der Landkarte lesen und denken an Frank Hann, der 1921 verarmt verstarb.

118 Jahre später saß ich konsterniert in meiner viel zu kleinen Einbauküche herum. Das Ofenbrot war, man kann es leider nicht anders sagen, auf ganzer Linie ein kompletter Reinfall. Der Drift bei den Tiefkühlprodukten hin zur „traditionellen“ Zubereitung, die den Markt vor einiger Zeit erfasst hatte, war mir grundsätzlich sehr gelegen gekommen. Ausdrücke wie Rustico, Bauernart oder nach traditionellem Rezept lösten in mir eine Sympathie aus, bei der sich jeder Marketingmensch nur die Hände reiben konnte. Ich aß Pizzen mit dunklem Teig und schwarzem Rand, Schlemmerfilets mit den Marinaden unserer Vorväter, handbefüllte Tortellini und Tortelloni. Aber dieses Ofenbrot hat mich fertiggemacht. Zu klein für den Preis, zu groß, um das ganze ekelerregende Ding herunterzuschlingen. Lieblos arrangierter Belag auf matschigem Untergrund, halbherzig vorgebacken. Ich blickte auf dem Tisch herum und von der neuesten Ausgabe der Geschichte Heute blickte mir Frank Hann entgegen, wir schauten uns an und teilten einen kurzen intimen Moment miteinander. Das gab mir Kraft, das Teigdesaster zu entsorgen.

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