Wassersport

Ich möchte Sie herzlich willkommen heißen, liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hawel, zu unserem Neujahrempfang, wie schön, Sie wieder hier zu sehen, wie letztes Jahr auch dieses Jahr wieder, gut, die Reihen sind etwas ausgedünnt, nicht wahr, Frau Helmstedt ist leider nicht mehr bei uns, wir alle erinnern uns an den tragischen Wassersportunfall, der unsere allseits beliebte Heimatvereinvorsitzende so plötzlich aus dem Leben riss. Nichtsdestotrotz sind wir nach wie vor stolz auf unsere Wassersportanlage und ich möchte an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit die Worte an Sie richten, liebe Mitbürger: Die Wassersportanlage ist sicher, und die Wassersportstadt Hawel wird auch in zehn, zwanzig, ja hundert Jahren noch eine solche sein.
Nun wollen wir uns jedoch abwenden, natürlich ohne zu vergessen, aber wir wollen uns abwenden von dieser verhängnisvollen Geschichte und uns hinwenden zu einem ganz besonderen Mann, einem Mann aus unserer Mitte, einem Haweler Burschen von Kopf bis Fuß. Ich habe die große Ehre, meine Damen und Herren, nun zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde zu schreiten an Herrn Friedrich Gradewohl, Herr Gradewohl, bitte stoßen Sie hier auf der Bühne zu mir, ah, da ist er schon, unser Herr Gradewohl. Schwer gezeichnet ist er noch vom Tod seiner lieben Frau Hannelore, wir erinnern uns, der Wassersportunfall, ja, da nickt er. Wir alle wissen, einfach war es nicht. Ich vor allen Menschen, als Ihr Bürgermeister, kann Ihren Schmerz natürlich in besonderem Maße nachfühlen, es ist Ihnen bekannt, dass mein Schwager Guido Schöppken auf ebendieser Wassersportanlage verunglückt ist, ganz so wie Ihre Gattin.
Aber heute, heute haben wir uns versammelt, um Ihre Verdienste um den Haweler Wassersport zu würdigen. Als Sie nach Hawel kamen, das war im Jahr 1971, da war das alte Bootshaus an der Mündung der Leibnitz noch eine Baracke, in desolatem Zustand war es, aber Sie, Herr Gradewohl, mit ihrem zupackenden Gemüt, Sie möbelten diesen Schandfleck kurzerhand auf, und schon bald fanden hier in Hawel die ersten Wasserskikurse statt, ein Touristenmagnet seitdem. Gut, es gab Rückschläge, da nicken Sie, Herr Gradewohl, denn Sie wissen, wovon ich spreche. Der Kabelbrand 1975, als das ganze Bootshaus bis auf die Grundmauern niederbrannte, dann der Kabelbrand 1976, mit Schaudern erinnern wir uns, und wieder standen Sie am Rande Ihrer Existenz. Dann immer wieder die gezielten Kampagnen der regionalen Medien gegen Sie ganz persönlich nach den scheußlichen Unfällen der Jahre 1978, 80, 84 und 91. Vorwürfe, Sie würden zugunsten des Geldes Abstriche bei der Sicherheit machen. Mitte der Neunziger schließlich wollte dann der Wasserskiverband die Anlage schließen, nicht wahr, wegen eben dieser angeblichen Sicherheitsmängel, aber irgendwie haben Sie es doch immer wieder geschafft, und die Anlage steht bis heute. Zum Glück! Ohne Sie würde unsere Kirchenorgel noch immer aus dem letzten Loch pfeifen, Sie entschuldigen meine Ausdrucksweise, ohne Ihre großzügigen Spenden wäre der Marktplatz immer noch ungepflastert und unsere prächtige neue Multifunktionshalle, in der wir heute Dank Ihnen zusammenkommen konnten, wäre immer noch ein Hirngespinst.
Und letzten Monat nun, nach all den Jahren auf dem Wasser, die Übergabe des Betriebs an den Sohnemann Henrik, ja, da sitzt er, ich würde ihn durchaus auch zu mir bitten, aber die Rollstuhlrampe wird bedauerlicherweise erst im nächsten März fertiggestellt, wir wollen ihm von hier oben zuwinken und ihm alles Gute wünschen für die Zukunft. Herr Gradewohl, nehmen Sie nun in meinem Namen und im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hawel die goldene Ehrennadel entgegen, und gestatten Sie mir die große Freude, Sie zum Ehrenbürger unserer Stadt zu ernennen. Ihr Engagement für den Wassersport wird auf ewig unvergessen bleiben, und wir hoffen, dass die Anlage schon sehr bald wieder öffnen kann, und dies der letzte Kabelbrand im Jahr 2017 bleiben wird. Auch dafür nur das Beste, Toi Toi Toi! Das Buffet ist eröffnet.


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