Archiv für Mai 2014

Ein echter Brenzmann

„Und hier“, Jakob sah mich an wie ein Zauberer sein Publikum vor dem finalen Trick, „hängt mein Brenzmann!“

Zuerst dachte ich, Jakob wolle mich verarschen. Was da hing, inszeniert als Fluchtpunkt eines sperrigen Altars aus hüfthohen Blumenvasen und mehreren geschmacklosen Beistelltischchen, war sicherlich ein Brenzmann. Das erbärmliche kleine Bild blieb jedoch so dermaßen hinter den haushohen Erwartungen zurück, die Jakob während des Rundgangs durch seine furchtbar schlecht eingerichtete Doppelhaushälfte aufgebaut hatte, dass ich ein spöttisches Grinsen gerade noch herunterschlucken konnte. Das Werk sah aus wie die traurige Karikatur eines Brenzmanns, wie das Ergebnis einer Abituraufgabe des folgenden Wortlauts: „Fertigen sie eine kleinformatige Bleistiftzeichnung im frühen Stil Alfred Brenzmanns an.“ Es war wirklich richtig peinlich, wie Jakob da entrückt auf dieses lächerliche Ding aus Holz und Papier starrte, wie er das Ganze drapiert hatte, dieses traurige Stück Müll, inmitten geschmacklosen Interieurs.
Es machte mich fast ein wenig traurig. Ich stellte mir vor, was Alfred Brenzmann sagen würde, wüsste er, auf welch kultische Art und Weise dieses wahrscheinlich in einer Kaffepause entstandene kleine Bildchen hier verehrt wurde. Wahrscheinlich würde er kurz und trocken lachen, genau wie in seinem legendären Interview mit Hilda Greundler-Cryckwozics als er nach seinen Gedanken zum Kunstmarkt der Nuller-Jahre gefragt wurde. „Ha!“ würde er machen.

Betreten sah ich zu Boden bis Jakob fertig mit Starren war und sagte dann: „Wow!“