Archiv für Januar 2014

Im Wald ist es sowas von scheiße

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2005

Die Metzgerei Tüllhammer. Was für ein ausgesprochen nostalgisches Erlebnis. Fast nichts hat sich verändert seit 2005. Dasselbe rostige Klappschild mit der Aufschrift „Tüllhammer – Fleisch und Wurst vom Fachmann“, dieselben ungeputzten Ladenfenster. Und nach dem Betreten des Geschäfts derselbe Typ, der so unglaublich metzgeruntypisch ist. Groß und dürr, mit verkniffenem Gesicht. Auch heute blickt er einen noch an, als sei man ein Verbrecher oder Überbringer schlechter Nachrichten oder beides. Nosferatu haben wir ihn immer genannt, damals.
Neben der Fleischtheke befindet sich der Snackbereich. Hinter einer brutkastenartigen Vitrine werden Leberkäse, Frikadellen und halbe Hähnchen warmgehalten. Verblüfft realisiere ich wie verdammt eklig das alles aussieht. Igitt. Wie ein dicker Mann am Strand schwitzt der Fleischmüll vor sich hin. Ich muss fast kotzen. Mehrere Scheiben dieser fettigen Brocken haben wir uns Tag für Tag einverleibt, früher. Zu Beginn der großen Pause strömten wir aus der Schule, rüber zu „Tülli“. Dort war man auf den alltäglichen Ansturm bereits vorbereitet. Nosferatus kleiner, haariger Helfer (wir nannten ihn Alf) schnitt die Brötchen ein und reichte sie weiter, der Lord der Finsternis bugsierte etwas von dem Fleischmüll hinein und fragte, ob man Senf wolle. Wenn man Senf wollte spritzte er ihn routiniert zu dem organischen Brocken zwischen die Scheiben. Man trank dann einen kleinen, quadratischen Tetrapack Eistee dazu, in den Geschmacksrichtungen „Fresh Lemon“ oder „Funky Peach“, da hatte jeder seine Vorlieben.

Ich bemerke, dass ich, während ich an all das dachte, apathisch auf den Boden gestarrt und nicht auf Nosferatus Versuch reagiert habe, ein Verkaufsgespräch einzuleiten. Ich trete vor zum Snackbereich und bestelle mir eine Leberkässemmel. Ich nehme Senf dazu. Lächelnd verlasse ich die Metzgerei und laufe vorbei an der Grimaldibastion und der Döblinkapelle diese große Straße entlang, von der ich immer den Namen vergesse.

An der Ecke Hunzenweg werfe ich das Fleischmüllsandwich unangetastet in den Müll. Das war toll, 2005.

Kapitän Ungut (7)

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