Ein Ferienjob in der Tierkörperbeseitigungsanlage

Seit letztem Sommer helfe ich hin und wieder in der Tierkörperbeseitigungsanlage Hundsheim aus. Die unsentimentale Bezeichnung Tierkörperbeseitigungsanlage meint im Grunde nichts anderes als ein Krematorium für Tiere. Der Löwenanteil unserer Kunden sind Landwirte, die uns ganze Wagenladungen toter, wegen Krankheit oder zu hohem Alter nicht zum Verzehr oder sonstiger Weiterverarbeitung geeigneter Nutztiere übergeben. Solche Verbrennungen gehen meistens recht pietätlos über die Bühne, die Kadaver werden schlicht mit dem Bagger in den Ofen geschaufelt.
Anders verhält es sich bei Haustieren. Familien, denen die Erschütterung über den Verlust eines lieben Spielgefährten noch in die Gesichter gemeißelt steht, tragen gemeinsam, jeder an einer Seite, Umzugskartons mit toten Hunden oder Katzen über den Hof. Seltener kommen sie mit Schuhkartons voller toter Mäuse und Hamster, denn die kann man ja auch bequem im heimischen Garten vergraben. (Was streng genommen illegal ist.)
Herr Prudelka, unser Geschäftsführer und eigentlich von eher mürrischer Wesensart, betätigt sich dann oft als Trostspender, spricht manchmal gar noch ein paar Worte zu Ehren des verstorbenen Tiers. Rührend ist es, wenn dieser einfache Mann seine vergilbte Schiebermütze von der Glatze nimmt, sie mit beiden Händen vor seinem beachtlichen Speckbauch festhält und dann zu einer solchen Ansprache ansetzt. Als spräche er nur zu sich selbst findet er Worte darüber, wie Tiere das Leben der Menschen bereichern und erleichtern, wie sie zu lieben Freunden werden können mit Eigenschaften und Charakteren, und wie man diese kennenlernen kann, wenn man nur einfühlsam und geduldig genug ist.
Das macht er unglaublich gut, und es ist nicht pietätlos zu erwähnen, dass ihm für solcherlei ergreifende Worte stets ein oder zwei Scheine in die fleischige Hand gesteckt werden. Und er nimmt sie gerne. Denn er weiß, die Arbeit in einer Tierkörperbeseitigungsanlage schließt keinesfalls nur das Beseitigen von Tierkörpern mit ein. Auch ein Stück der Trauer muss mit in den Ofen wandern. Und wie der Phönix aus der Asche steigt in den Kindern dieses ganze Zeug auf, das dann für ihr späteres Leben von großer Bedeutung sein wird: Wie man mit dem Tod umgeht. Wie man Trauer bewältigt. Solche Sachen. Da kann man sich das schöne Geld für irgendwelche beschissenen, pädagogischen Kinderbücher sparen (Warum liegt Opa in einer Kiste?, Ehrfurcht-Verlag, 2008).
Herr Prudelka kann das vermitteln. Und deswegen ist das, was er macht, wichtig. Und es ist ihm nur zu wünschen, dass bei seiner eigenen Beerdigung jemand da ist, der macht, was Herr Prudelka gemacht hat.