Archiv für April 2013

Wartende

Er rieb sich ausgiebig das Gesicht. Sie grunzte. Er begann zu zittern, woraufhin sie fröstelte. Er stand auf, ging rastlos im Zimmer umher und bleib schließlich am Fenster stehen, um konzentriert hinaus zu schauen.
Die beiden Personen, denen wir in diesem Zimmer begegnen, sind Wartende.
Wartende wollen nichts, außer das Eintreten dessen, worauf sie warten. Sie schweigen in ihrer Ruhelosigkeit und lassen mich mit ihren Problemen in Ruhe. Wie er hinaus schaut, das hat so etwas Meditatives. Sein glasiger Blick muss nicht die Straße erreichen, um Sinn zu machen.

Es hat dann geklingelt und Geschäftigkeit hielt Einzug.

Nur wenig später könnte man beinahe meinen, einem kultischen Ritual beizuwohnen. Die zwei Gekommenen setzten sich den ehemals Wartenden gegenüber. Vor jeder Person auf dem Tisch befanden sich folgende Gegenstände in jeweils exakt identischer Ausfertigung: Gläser in verschiedenen Größen und Formen, für unterschiedliche Speisekonsistenzen bestimmte Bestecke, zwei aufeinander gestapelte Teller, eine kunstvoll gefaltete Stoffserviette und eine kleine Flasche Limo.
„Wir haben auch Wein“, sagte jemand. Es klang wie eine Entschuldigung.
Eine der Frauen – es war diejenige, die gewartet hatte – erhob sich, verschwand im Nebenraum und kehrte bald mit verschiedenen, erwärmten Speisen auf einem Tablett zurück. Das Tablett war aus Holz und besaß an seinen Rändern Erhebungen, die wohl das Herabgleiten der Speisen verhindern sollten.

Die vier Personen hatten genaue Kenntnis darüber, wie die vor ihnen auf dem Tisch befindlichen Gegenstände zu benutzen waren.