Archiv für Februar 2013

Kapitän Ungut (4)

KapitaenUngut4

Der unangenehme Auftrag

Sie tanzte, als ob es ihre Plicht wäre. Als sei sie angestellt, die Tasche angestrengt auf der Schulter festhaltend zum Beat ihre Schritte zu setzen. wie zur Erfüllung eines unangenehmen Auftrags. Sie tat, was sie tat, als ob sie auf Absolution harren würde. Und ihr gelangweilter Blick verriet, dass sie nicht in dem aufging, was sie tat. Ich rätselte, was nur ihre eigentliche Beschäftigung sein könnte, was wohl in ihrem Leben vorging, wenn sie nicht an Gin Tonics nippte, um mit unsteten Füßen den Boden zu bearbeiten, als ob sie sich ablenken wollte von einer Welt, die nicht ihre war.

Ich malte mir das Szenario eines Vorstellungsgespräches aus. Sie war wohl, unruhig an einem kleinen Papierschnipsel nestelnd dagesessen, und ihr Gegenüber hatte einen kleinen CD-Spieler aus einer geräumigen Schublade geholt und ihn auf die Tischplatte gestellt. Er drückte einen Knopf, und Musik erklang. Sie war wohl aufgestanden, hatte ihre Jacke auf dem Ledersofa liegen gelassen und einen Schritt in die Mitte des Raumes getan. Wahrscheinlich spürte sie den erwartungsvollen Blick des Prüfers und fragte sich im Stillen was in aller Welt sie hier eigentlich verloren hatte. Trotzdem begann sie zu tanzen. Sie hüpfte auf und ab, ihre brandneuen bunten Sneakers berührten den Boden in einem Takt, der sich immer mehr dem der Musik annäherte und schließlich mit ihm synchron wurde. Der Mann im Bürostuhl nickte kaum merklich, jedoch anerkennend und stoppte die Musik. Es wurden Hände geschüttelt.

Um drei ging sie. Ich stand zufällig vor dem Club herum und rauchte eine Zigarette. Jemand erzählte mir gerade eine langweilige Geschichte voller Befindlichkeiten und lösbarer Probleme. Ich fuhr fort zu lächeln und zu nicken, doch sah in Wahrheit nur dem Mädchen nach. Sie wirkte gelöst und müde, hatte ihre Pflicht erfüllt und würde nun vielleicht noch mit ein paar Freunden ein Bier trinken gehen oder eine Party besuchen, um dort zu tanzen.