Archiv für Oktober 2011

Kartoffelstifte

Herr Felber hatte gute Laune. Auch Frau Hetzer hatte gute Laune, was einen ob ihrer wirklich beschissenen Situation nur mehr wundern konnte. Silvan und Meike hatten gute Laune. Auch Wiebke hatte gute Laune. Klaus hatte sich eine Tüte Pommes gekauft und schimpfte leise auf die Sitte der Verkäufer, die Soße einfach über die Kartoffelstifte zu schütten, so dass am Ende nur ein zäher fettiger Matsch übrigbleibt. In der Tat tropften Majo und Ketchup, die beiden guten alten Freunde, unablässig auf Klaus Hände, sein Poloshirt und seine sorgfältig gebügelten Cargoshorts. Der ein oder andere Tropfen landete auch auf der Oberfläche seiner Füße, die durch die Schuhmode diesen Sommer nur mit zwei erbärmlichen, zwischen zwei Zehen festgeklemmten Plastiksträngen bedeckt waren, die diese Karikatur eines Schuhs nur notdürftig an den schwitzenden Sohlen hielten.
Klaus gab wahrlich ein erbärmliches Bild ab, wie er da stand und sich über seine eigene Erbärmlichkeit beschwerte. Ich konnte es nicht mehr ertragen und reichte ihm eine kleine Papierserviette, die noch vom letzten Besuch der Eisbude Roncalli in meiner knallweißen Freizeittasche liegengeblieben war.
Die Leute haben sich irgendwann zerstreut und die Blitze durchzogen wie Adern den Himmel. Der Regen lag schon in der Luft, obwohl er noch gar nicht da war. Ich hörte etwas pathetische Musik und kam mir vor wie in einem pathetischen Film. Was wir getan hatten war gut und richtig gewesen. Wir hatten uns eindeutig positioniert, niemand konnte nun noch sagen wir wären ideenlos, uninspiriert und langweilig.
Wir hatten es allen gezeigt.